© Hirndorf

Archiv 2016

11. Dezember 2016

n.T.

Erlöserkirche Leschede/Emsbüren

Quelle: Hirndorf
Die Erlöserkirche Leschede ist vom Land Niedersachsen als Baudenkmal eingestuft. Wer sich nun aber eine trutzige mittelalterliche Steinkirche vorstellt, irrt. Erst 64 Jahre ist sie alt und alles andere als massiv.
Der Architekt Otto Bartning entwarf den Plan für diese Kirche und gleichzeitig für viele andere. Die Erlöserkirche gehört in die Reihe der sogenannten Notkirchen, die aus Holzfertigteilen nach dem gleichen Bauplan an vielen Orten aufgebaut wurden. Es ist sogar der Lieferschein erhalten, in dem es schlicht heißt: „Sie empfangen durch die Spedition Knittel 1 Diaspora-Kapelle“.

Die „Diaspora-Kapelle“ ist der jüngste Bautyp in der Familie der Bartning-Notkirchen. Erfahrungen der älteren Konzepte, wie sie in Sögel und Geeste zu sehen sind, wurden eingearbeitet, so dass dieses Baukonzept schließlich so überzeugend und ausgereift war, dass es nicht nur eine große Verbreitung fand, sondern auch bis heute überzeugt. Vielseitigkeit war das Stichwort: Klappläden an den richtigen Stellen erweitern das Raumangebot oder lassen den Altar verschwinden. Klapptische gehörten dazu, die eine Kaffeetafel zwischen die Kirchenbänke zaubern. Und das alles im beeindruckenden schlichten Stil des Bauhaus. Nicht umsonst widmet das neue Emsland-Jahrbuch diesem Architekten und seinen Bauten einen eigenen Beitrag.

Die Erlöserkirche Leschede hat den Bartningschen Plan fast unverändert bewahrt, bzw. durch umfangreiche Maßnahmen wieder hergestellt. Lassen Sie sich beeindrucken vom Werk eines großen Kirchenbaumeisters.

Wer etwas zur Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirche in der Fläche des Emslands sagen will, hat es leicht. Sie beginnt nämlich erst mit dem zweiten Weltkrieg. Bis dahin lebten fast ausschließlich katholische Christen in diesem Gebiet, nur in den Städten gab es kleine evangelische Gemeinden. Mit den Flüchtlingsströmen im Zuge des Krieges änderte sich dies in sehr kurzer Zeit sehr massiv. Evangelisch-lutherische Flüchtlinge und Heimatvertriebene fanden sich in einer Gegend wieder, in der ihr Glaube gar nicht vorkam und zum Teil auch nicht als solcher angesehen wurde.

Da Not nicht nur beten lehrt, sondern auch erfinderisch macht, gelang es den Lutheranern in Leschede schon bald für eine kleine Kapelle in einer ehemaligen Schule zu sorgen. Schnell wurde diese zu klein, so dass 1952 die Erlöserkirche gebaut wurde. Viel Eigenleistung und eine gute Portion Gottvertrauen ließen das Werk gelingen, dessen Finanzierung zu Baubeginn keineswegs gesichert war. Namhafte Spenden aus dem In- und Ausland sorgten für überraschende Unterstützung.

Für viele der evangelischen Neubürger trug der Kirchenbau dazu bei, dass Emsbüren zu einer Heimat werden konnte.

Von Anfang an, war die Kirche nicht nur ein Gottesdienstraum, sondern ein echtes Gemeindezentrum. Kaffeetrinken und Kartenspielen, Bibelabende und Chorsingen bereicherten das Gemeindeleben.

Bis heute ist etwas von dieser besonderen Atmosphäre spürbar.

Seit 2003 verfügt die Kirchengemeinde neben der Kirche über ein Jugend- und Gemeindehaus. Es heißt nach dem Erbauer der Erlöserkirche „Bartning-Haus“. Dort finden heute einige der Gemeindeveranstaltungen statt, so dass die Kirche nun stärker als Gotteshaus erlebt wird. Jeden Sonntag findet hier der Gottesdienst statt. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Kirche zu Gebet und Stille aufzusuchen und etwa eine Kerze am Fürbittenleuchter anzuzünden.

Die Christusfigur über dem Altar ist aus dem Holz einer Linde geschnitzt, die Jahrzehnte auf dem heutigen Kirchengelände gewachsen ist. Zusammen mit den warmen Holztönen und der liebevollen Ausstattung lässt sie etwas von der Gegenwart des Erlösers spüren, nach dem die Kirche ihren Namen trägt.

Im Advent 2009 erhielt die Erlöserkirche zwei neue Glocken, die im freistehenden Glockenturm aufgehängt wurden. Die ursprüngliche Glocke kehrte in den Dachreiter zurück.

Lassen auch Sie sich rufen!

Ab 15.00 Uhr stellt Pastor Marcus Droste die Erlöserkirche vor. Organist Gerrit Dams lässt die 1982 erbaute Orgel erklingen und lädt zu adventlichem Gesang ein. Mitarbeiterinnen der Kirchengemeinde freuen sich auf zahlreichen Besuch im Bartning-Haus und bieten Kaffee, Tee und Gebäck an. Vor der Kirche gibt es Glühwein und Früchtepunsch. Die Erlöserkirche finden Sie: Am Bahndamm 11, 48488 Emsbüren-Leschede

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n.T.

Gefängniskapelle in Lingen-Damschke

Ein Gotteshaus an einem ungewöhnlichen Ort wird am Sonntag, den 13.11.2016 um 15.00 Uhr im Rahmen der Reihe „Kirche des Monats“ vorgestellt: Die Kapelle der Justizvollzugsanstalt Lingen, Abteilung Damaschke am Grenzweg 39 in Lingen. Zudem berichten die Gefängnisseelsorger von ihrer Arbeit.
Die Abteilung Damaschke, auch bekannt als Lingen-Ost ist eine Abteilung des offenen Vollzuges, zuständig für Männer. Es gibt 230 Haftplätze. Im Offenen Vollzug in Damaschke befinden sich Gefangene aus ganz Niedersachsen, deren Straflänge vier Jahre nicht übersteigt. Etwa 1/4 der Gefangenen verbüßen Ersatzfreiheitsstrafen (Geldstrafen).

Personen, die aus Fahrlässigkeit, wenn auch in manchen Fällen sogar aus grober Fahrlässigkeit mit den Gesetzen in Konflikt geraten und kurze Gefängnis- oder Haftstrafen verbüßen müssen, sollten nicht mehr mit Personen, die wissentlich und vorsätzlich strafbare Handlungen begangen haben, eine Zelle teilen. Der Vollzug rechtfertige sich diesen verurteilten Fahrlässigkeitstätern gegenüber allein durch die Strafe, nicht durch die Möglichkeiten des Vollzugs. Der frühere Justizminister des Landes Niedersachsen Arvid von Nottbeck trieb mit dieser Erkenntnis den Plan und die Umsetzung einer offenen Vollzugsanstalt in Lingen voran. Es sollte die erste „offene Justizvollzugsanstalt“ für Fahrlässigkeitstäter in der Bundesrepublik Deutschland werden.

Im Herbst 1963 begann der Bau der offenen Anstalt Lingen-Ost auf einem Waldgelände von fast 90 000 Quadratmetern nach vom Finanzministerium und dem Staatshochbauamt Lingen aufgestellten Plänen. Die Erschließung des Geländes und das Erstellen der Bauten, zu denen auch die Gefängniskapelle gehört, erfolgten so rasch, dass beim Richtfest am 30. Juli 1964 bereits alle Dächer eingedeckt waren. Am 1. Juli 1965 konnte die Belegung der neuen Anstalt erfolgen.

Die Abteilung Damaschke verfügt über vier zweigeschossige Vollzugshäuser mit jeweils vier Wohngruppen und einem fünften Vollzugshaus mit Aufnahme- und Transportabteilung. Zudem gibt es ein Werkstattgebäude, einen Sportplatz, einen Speisesaal mit eingebauter Bühne, der auch als Freizeitraum für große Veranstaltungen aller Inhaftierten genutzt wird, eine Friseurstube oder auch eine Bücherei.

Ein besonderer Ort ist die Gefängniskapelle. Der erste Leiter der Anstalt Regierungsdirektor Wilhelm Maria Badry hatte dafür gesorgt, dass eine würdige Kirche auf dem Gelände gebaut wird. Die Seelsorge solle mithelfen, nicht nur der sonntäglichen Kirchenpflicht zu genügen, sondern darüber hinaus die innere Haltung zum Leben, zum Mitmenschen und zu Gott zu formen und zu prägen. Das war ihm ein großes Anliegen.

Vorbei an einem Glockengeläut kommt man durch ein knallrotes Eingangsportal in einen schlichten und freundlichen Gottesdienstraum. Katholische und evangelische Gottesdienste werden hier gefeiert. Etwa 150 Gäste finden auf Bänken und Stühlen in der Kapelle Platz.

Über dem Altar hängt ein lebensgroßer Christuskorpus. Farbige Fenster geben indirektes Licht, die Sonne malt Farben an die Wände und die Rückwand hinter dem Christusbild. Drei Tonreliefs mit Szenen aus dem Abendmahl, von der Kreuzigung und der Auferstehung zieren die Wände. Sie wurden 1989, vermutlich von einem Inhaftierten, gefertigt.

Hinten im Kirchenraum steht ein großer Tisch. Hier kommen die Seelsorger mit den Inhaftierten ins Gespräch, hier wird Kaffee getrunken und geredet. Dieser Kirchenbereich wird aber auch für meditative Angebote, das Theater spielen, Filme sehen oder einfach zum Bücher lesen genutzt.

Die Grundlage für die Seelsorge in den Justizvollzugsanstalten ist der Artikel 4 des Grundgesetzes, der die uneingeschränkte Religionsausübung gewährleistet. Zum Ausdruck gebracht wird diese durch die §§ 53 ff des Niedersächsischen Justizvollzugsgesetzes, wonach " dem Gefangenen... religiöse Betreuung durch einen Seelsorger seiner Religionszugehörigkeit nicht versagt werden darf."

Auf dieser Basis nehmen die katholischen und evangelischen Seelsorger als Beauftragte der Kirchen die Seelsorge an den Gefangenen wahr. Dabei folgen sie dem Auftrag Jesu: "Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen." (Matthäus 25,36). Ziele der seelsorglichen Arbeit in all ihren Facetten sind verantwortlicher Umgang mit Schuld; Versöhnung mit sich selbst, der eigenen Geschichte, dem Opfer und der Gesellschaft möglich und erfahrbar machen; die Barmherzigkeit Gottes anzusagen und spürbar werden zu lassen, weil der Mensch nach christlichem Verständnis mehr ist als seine (Un-)Taten. Was das konkret heißt, werden die Gefängnisseelsorger den Besuchern der „Kirche des Monats“ vorstellen.

9. Oktober 2016

n.T.

Nachbericht

St. Maria zum Frieden war „Kirche des Monats“ im Oktober
Kurzweilig stellten Gemeindereferentin Maria Hillmann und Diakon Hermann Sur die Entwicklung der Kirchengemeinde St. Maria zum Frieden von der ersten Stunde 1945 bis heute vor. Ihre Textvorträge wurden von auf eine Leinwand projizierte Bildern anschaulich gemacht. Sie berichteten von den Zerstörungen der schrecklichen Kriegsjahre, insbesondere von der Zerstörung der Meppener Propsteikirche in der Altstadt und der Brücken über die Flüsse Hase und Ems. Esterfeld war von der Altstadt abgeschnitten. Beeindruckend in Szene gesetzt wurde Elisabeth Rücken verkörpert durch Lisa Dreyer. Sie zog von hinten in die Kirche ein und gab Gedanken der Esterfelderin Elisabet Rücken preis, die auf diese damalige Situation blickte und den Mut fasste, an Propst Carl Meyer am 13.04.1945 einen Brief zu schreiben. An einem Tisch vor dem Altar sitzend spielte Lisa Dreyer vor, wie Elisabeth Rücken den Brief formulierte und niederschrieb. „Doch nichts wünschen wir uns mehr als eine geistige und geistliche Beheimatung. Und wenn es nur n dieser österlichen Zeit einen einzigen Gottesdienst gäbe, wir wären Ihnen, hochwürdiger Propst, unendlich dankbar. Auch wenn es einem heiligen Messopfer nicht würdig ist, so stellt die Familie Kamp, deren Tochter ich bin, den Schießstand als Räumlichkeit zur Verfügung. In Erwartung einer zustimmenden Antwort verbleibe ich, Ihre Elisabeth Rücken“. Und die Antwort kam schnell. Adjunkt Josef Orgaß wurde als Seelsorger nach Esterfeld geschickt. Am zweiten Sonntag nach Ostern konnte der erste sonntägliche Gottesdienst im städtischen Schießstand bei der Gaststätte Kamp gefeiert werden. Drei Messen wurden sonntags angeboten. Die Gemeinde zählte 1700 „Seelen“. Der Platz für die Gottesdienstbesucher reichte nicht aus. So folgten als Gottesdiensträume der kleine Saal der Gaststätte Kamp, eine von den Esterfeldern aus dem Osnabrücker Bereich bei Voltlage erworbene und am heutigen Kindergartenstandort aufgebaute Barackenunterkunft des Reichsarbeiterdienstes und 1960 der heutige Kirchbau. Bereits am 18.08.1945 erhielt die Kirchengemeinde den Namen „Maria zum Frieden“, denn endlich hielt der Frieden Einzug, nach dem sich die Menschen so unendlich sehnten. Diakon Sur warf noch einmal einen Blick auf Elisabeth Rücken: „Elisabeth Rücken wäre sicherlich bei all den Ereignissen gerne dabei gewesen. Sie verstarb am 9.5.1945 mit nur 54 Jahren, einen Tag nach dem offiziellen Kriegsende.“ Die Gemeinde St. Maria zum Frieden wuchs auf heute etwa 5000 Gemeindemitglieder an, viele junge Familien fanden in Esterfeld ihr Zuhause. Seit 2011 bildet die Gemeinde eine Pfarreiengemeinschaft mit St. Franz Xaver, Rühle und St. Vinzentius, Fullen-Versen.

Veronika Linnig und Hubert Kamin, als Vertreter des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes, erläuterten den gut 200 Besuchern der „Kirche des Monats“ die zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Gotteshauses.

Nach dem Segen durch den Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Pater Benny dankte der Referent des Emslanddechanten und Initiator des Neustarts „Kirche des Monats“ Holger Berentzen dem Vorbereitungsteam und Herrn Johannes Quappen, der von Seiten des Projektteams „Kirche des Monats“ die Begleitung übernommen hatte und selbst Gemeindemitglied ist. Viele Gespräche gab es beim anschließenden Kaffeeangebot.

Informationen zur Kirchengemeinde und zu den Sehenswürdigkeiten des Gotteshauses gibt es unter: www.meppen-west.de/st-maria-zum-frieden

9. Oktober 2016St.

n.T.

Maria zum Frieden in Meppen-Esterfeld

Vorbericht

St. Maria zum Frienden in Meppen-Esterfeld ist Kirche des Monats am 09.10.2016
Die Sehnsucht nach Frieden am Ende des zweiten Weltkrieges führte zur Namensgebung.

Die Entstehungsgeschichte der Pfarrkirche St. Maria zum Frieden ist mit der historischen Entwicklung des Meppener Stadtteils Esterfeld eng verknüpft.

In Chroniken ist schon ab dem 15. Jahrhundert von einem Dorf mit dem Namen „Este“ die Rede. Eine Besiedlung größeren Ausmaßes gab es hier aber erst gegen Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als in Esterfeld die so genannte Stadtrandsiedlung errichtet wurde.

Die Gründung der Pfarrgemeinde St. Maria zum Frieden vollzog sich aus einer Notsituation heraus. Im Zuge der letzten Kampfhandlungen am Ende des 2. Weltkrieges wurden die Brücken über Hase und Ems in Meppen gesprengt. Die Propsteikirche in der Meppener Altstadt war stark beschädigt worden. Die ebenfalls in der Altstadt liegende Gymnasialkirche war zu klein für die vielen Gottesdienstbesucher. Zudem war sie nur mit Ruderbooten über die Ems zu erreichen. Eine Esterfelder Einwohnerin fasste sich ein Herz und richtete an den damaligen Propst Carl Meyer die Bitte, einen Geistlichen zum Gottesdienst nach Esterfeld zu entsenden. Dieser Bitte wurde stattgegeben. Adjunkt Josef Orgaß von der Propsteigemeinde wurde in den „abgeschnittenen“ Stadtteil entsandt, um dort die Seelsorge aufrecht zu erhalten. Der erste Gottesdienst fand am 15.04.1945 im Schießstand der Gaststätte Kamp statt. Dieser erwies sich jedoch als viel zu klein, so dass man bald darauf in den angrenzenden Gasthaussaal umziehen musste. Auch dies war nur ein provisorischer Zustand. Im Januar 1946 wurde eine alte Turnhalle aus Beständen des ehemaligen „Reichsarbeitsdienstes“ von Fürstenau nach Meppen-Esterfeld transportiert und dort aufgebaut. Bis zur Fertigstellung der jetzigen Pfarrkirche diente dieses Gebäude als „Notkirche“.

Mit den Planungen zum Kirchenneubau wurde bereits Ende 1948 begonnen. Pfarrer Orgaß schreibt in der Chronik der Gemeinde St. Maria zum Frieden, dass sich am 6.03.1948 ein kirchlicher Bauverein mit dem Zweck gegründet hat, Sammlungen für den Bau der Kirche, des Pfarrhauses, des Kindergartens und des Jugendheimes durchzuführen.

Nachdem 1956 das Pfarrhaus und 1958 der Kindergarten fertig gestellt worden waren, erfolgte am 29.11.1959 die Grundsteinlegung für den Bau des Gotteshauses. Die Bauzeit war – auch gemessen an heutigen Verhältnissen – rekordverdächtig. Bereits ein Jahr später am 8.11.1960 fand die feierliche Einweihung durch Bischof Dr. Helmut Wittler statt. Aber noch war die junge Kirchengemeinde in Esterfeld keine eigene Pfarrei. Dies wurde sie am 1.11.1961 unter der Bezeichnung „Maria zum Frieden in Meppen-Esterfeld“. Damit war die Entwicklung der jungen selbstständigen Kirchengemeinde nicht abgeschlossen. Am 3.03.1963 folgte die Weihe der vier Glocken und Pfingsten 1968 die Weihe der Orgel.

Im Jahr 1970 wurde der Marienkindergarten erweitert. Und schon 1974 eröffnete die Kirchengemeinde in der Rosenstraße einen weiteren Kindergarten mit dem Namen St. Ansgar.

Nach dem Pfingstfest 1989 erhielt die Kirche ein neues Gesicht. Der Innenraum des 30 Jahre alten Gotteshauses wurde gründlich renoviert. Unter anderem wurde der Altarraum so umgestaltet, dass er den Anforderungen des II. Vatikanischen Konzils gerecht wurde.

Das große Fenster hinter dem Altarraum und die Kreuzwegstationen in den Seitenwänden der Kirche wurde vom Osnabrücker Künstler Rudolf Krüger entworfen. Durch seine frontale Stellung hinter dem Altar und durch die Größe verleiht das Altarfenster dem Kirchenraum eine festliche Stimmung. Dazu trägt die lebhafte Linienführung des Betongefüges mit einem rot-weiß-blauem Farbklang bei. Sowohl für das Altarfenster als auch für die Kreuzwegdarstellungen verwendete der Künstler die Materialien Beton und Glas.

Der neue vom Kölner Künstler und Bildhauer Thomas Torkler entworfene Altar wurde aus dem weißen Marmor des Altares aus dem Jahr 1960 und aus rötlichem Marmor gefertigt. Der Ambo, der Tisch des Wortes, ist aus den gleichen Materialien wie der neue Altar gefertigt, um eine Zusammengehörigkeit zu verdeutlichen. Die Marienstatue wurde vom Osnabrücker Künstler Walter Mellmann gefertigt. Sie hat zu Ehren der Pfarrpatronin einen Platz im Altarraum gefunden.

Eine Sakramentskapelle ist mit der Renovierung neu entstanden. Der dazugehörige Tabernakel, der auf einer steinernen Schildkröte steht, wurde vom Rheiner Goldschmied Tono Bothorn hergestellt. In der Karfreitagsliturgie 1992 wurde das von Thomas Torkler entworfene Altar- und Kirchenkreuz aus Metall feierlich enthüllt. Ein menschengroßer Korpus aus Holz ist zu sehen.

Wer mehr über die Kirche und Kirchengemeinde St. Maria zum Frieden in Meppen-Esterfeld (Ecke Marienstraße/Schlaunstraße) erfahren möchte, ist herzlich zur Veranstaltung „Kirche des Monats“ am Sonntag, den 9.10.2016 um 15.00 Uhr eingeladen.

Kirche des Monats September

n.T.

Im Rahmen der Reihe „Kirche des Monats“ öffnet die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Meppen-Schöninghsdorf die Tür ihrer Kirche in der Südstraße 222 in Schöninghsdorf am Sonntag, den 11. September um 15 Uhr.

Wie alles begann: eine Kirchengemeinde niederländischer Prägung
Quelle: Hirndorf
Die Geschichtsschreibung der Kirchengemeinde beginnt am 27. Dezember 1903: im ersten reformierten Gottesdienst in Schöninghsdorf wurden zwei Säuglinge getauft. Durch die sich ausbreitende Torfindustrie waren vor allem reformierte, niederländische Saisonarbeiter in die Gegend gekommen, deren seelsorgliche Betreuung die reformierten Nachbargemeinden Georgsdorf und Emlichheim übernahmen.
Die Initiative ein Kirchengebäude vor Ort zu errichten kam aus der Kirchengemeinde Lingen. Der Kirchbau wurde durch den Beitrag vieler verschiedener Unterstützer ermöglicht. So wurde zum Beispiel das notwendige Grundstück von einem niederländischen Torfunternehmen gestiftet. Im August 1907 konnte nach nur einem Jahr Bauzeit die reformierte Kapelle eingeweiht werden. Die Kirchengemeinde blieb bis zum zweiten Weltkrieg überwiegend niederländisch geprägt, sowohl der Großteil der Gottesdienstbesucher also auch die Prediger waren Niederländer.

Eine Kirchengemeinde im Wandel der Zeit

Im Jahre 1954 ist die kleine Kapellengemeinde Schöninghsdorf eine eigenständige Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde, zuständig für den gesamten Kreis Meppen. Durch den strukturellen, gesellschaftlichen Wandel in der Nachkriegszeit verändert sich auch die konfessionelle Zusammensetzung der Region. Die Mehrheit der reformierten Gemeindeglieder wohnt nun in der Stadt Meppen, nicht mehr in Schöninghsdorf.

Im Jahre 1964 verlässt der langjährige Pfarrer die Kirchengemeinde, gut 20 Jahre wird die Kirchengemeinde ohne eigenen Pfarrer bleiben. Im gleichen Jahr wird der erste Meppener in den Kirchenrat gewählt. Um den wirtschaftlichen Entwicklungen gerecht zu werden, verfolgt die Gemeindeleitung das Ziel, den Schwerpunkt der Gemeindearbeit nach Meppen zu verlagern. So werden zahlreiche Angebote für die reformierten Gemeindeglieder in Meppen geschaffen, wie eine Busverbindung zu den Gottesdiensten in Schöninghsdorf oder die Zustellung eines monatlich erscheinenden Gemeindebriefs.

Die Evangelisch-reformierte Landeskirche erwirbt 1972 ein Grundstück in der Kleiststraße in Meppen für das Gemeindezentrum und schreibt im selben Jahr eine Pfarrstelle mit Sitz in Meppen aus. Anfang April 1973 erhält die gewachsene Kirchengemeinde den auch heute gültigen Namen „Evangelisch-reformierte Kirchgengemeinde Meppen-Schöninghsdorf“.

Lange wird die neu zusammengesetzte Kirchengemeinde durch Vakanzvertreter und Hilfsprediger versorgt. Erst Ende 1981 wird der erste Pfarrer der neu strukturierten Kirchengemeinde ordiniert und eingeführt.

Eng verzahnt ist die Entwicklung der Kirchengemeinde mit dem Wachstum der politischen Gemeinde Meppen, so entspricht das Gemeindezentrum in der Kleiststraße bald den wachsenden Ansprüchen der Kirchengemeinde nicht mehr. 1982 wird ein neues Gemeindezentrum mit Gottesdienstraum am Stadtforst in Meppen-Esterfeld in Betrieb genommen, das auch heute genutzt wird.

Jeden Sonntag lädt die Kirchengemeinde um 10:30 Uhr zum Gottesdienst ins Gemeindezentrum nach Meppen ein. Jeden ersten Sonntag im Monat ist zusätzlich um 9 Uhr in Schöninghsdorf Gottesdienst.

Zu unserer Kirchengemeinde gehören heute rund 1500 Gemeindeglieder aus Dalum, Geeste, Groß Berßen, Groß Hesepe, Haren, Haselünne, Herzlake, Klein Hesepe, Lähden, Meppen, Osterbrock, Schöninghsdorf, Stavern, Twist und Varloh.

Wer hätte vor etwas mehr als 100 Jahren gedacht, dass eine kleine Kapelle mitten im Moor den Ursprung einer so umfassenden und lebendigen Gemeinde werden würde.

14. August 2016

n.T.

Schlosskapelle Clemenswerth

Vorbericht

Schlosskapelle Clemenswerth ist Kirche des Monats
Reich ausgestattete Kirche erinnert an bayerische Rokokokapellen
Im Rahmen der Reihe „Kirche des Monats“ wird die Schlosskapelle Clemenswerth in Sögel am Sonntag, den 14.08.2016 um 15.00 Uhr vorgestellt. Museumdirektor Oliver Fok, Kapuzinerpater Edmund Kesenheimer und Pfarrer Bernhard Horstmann werden die Teilnehmer durch die Kapelle, durch den Klostergarten und durch die derzeitige Sonderausstellung „275 Jahre Mariä-Himmelfahrts-Messe“ führen.

Fürstbischof Clemens August (1700 – 1761) ließ durch seinen Architekten Johann Conrad Schlaun (1695 – 1773) Schloss Clemenswerth in den Jahren 1737 – 1747 für seine und seiner Gäste Leidenschaft erbauen. Zugleich war es sein Wunsch, dass in der Anlage eine Schlosskapelle und ein Kapuzinerkloster Unterkunft finden sollten. Das Kirchengebäude wurde in gleicher Art, wie die übrigen Pavillons erbaut. Einzig der Glockenturm und die Kirchenuhr verweisen auf die besondere Funktion des Gebäudes.

Papst Clemens XII. gestattete die Klostergründung und am 15.08.1739 kamen die ersten drei Patres und ein Bruder nach Schloss Clemenswerth.

Die Kapelle wurde am 15.08.1741 der Mariä-Himmelfahrt und dem hl. Hubertus, dem Schutzpatron der Jagd, geweiht. Papst Benedikt XIV. machte die aus den römischen Katakomben gehobenen Gebeine des hl. Fructuosus, einem Märtyrer, Clemens August zum Geschenk. Über Münster und Meppen waren sie in einem extra hierfür gefertigtem Silbersarg unter Beteiligung einer großen Prozession von tausenden von Menschen, Fahnenträgern und Pastoren aus dem ganzen Umkreis nach Clemenswerth gebracht worden. Die Reliquie wurde unter dem Hochaltar der Schlosskapelle beigesetzt.

Anlässlich dieser Ereignisse stiftete der Fürstbischof dem Ort Sögel einen achttägigen freien Markt, der jedes Jahr wiederholt werden sollte. Die 275. Mariä-Himmelfahrts-Messe findet am Sonntag, den 21.08.2016 um 10.00 Uhr mit Bischof Dr. Franz-Josef Bode statt.

Die Kapelle von Schloss Clemenswerth wird auch als die nördlichste bayerische Rokokokapelle bezeichnet, da ihre reiche Ausgestaltung an katholische Kirchen in Bayern erinnert. Das Altarbild des Hauptaltars zeigt den hl. Hubertus. Zwei Altar-Skulpturen stellen den hl. Eustachius und den hl. Georg dar. Über dem Hauptaltar thront im weißen Stuck Gottvater. Unter ihm im Strahlenkranz, von einem Rundfenster erleuchtet, erscheint der hl. Geist in Gestalt einer Taube. Darunter, zwischen Altarbild und heiligen Geist, befindet sich das Wappen des Fürstbischofs Clemens August, sozusagen als Mittlerposition zwischen Himmel und Erde.

Das im Goldrahmen gefasste Deckenfresko stellt die Aufnahme Mariä in den Himmel dar. Es wurde erstellt von dem aus Bologna stammenden und in Norditalien vielbeschäftigten Maler Vittorio Bigari (1692 – 1776). Das Fresko zeigt einen von vielen Figuren durchbrochenen Wolkenhimmel, in dem die Muttergottes von Engeln und Putten begleitet dem Gottessohn entgegenschwebt. Die Stuckarbeiten sind eng verbunden mit der Malerei der Wände, so dass der Übergang fließend ist und man sehr genau hinsehen muss, wo Stuck aufhört und Malerei beginnt. Mehr als 120 Engel sind im Stuck zu zählen, die das Hohelied der Marienverehrung, der lauretanischen Litanei, anstimmen. Über Fenster und Türen sind in monochromer hellbrauner Farbe Freskomalereien für Franziskaner und Kapuziner wichtige Heilige dargestellt.

Dem Altar gegenüber befindet sich auf der Westseite die Loge von Clemens August mit anschließendem privaten Andachtsraum und Nebenaltar. An der Nordseite befindet sich ein Orgelprospekt, hinter dem in einem separaten Raum das Orgelwerk untergebracht ist. Über ein Sichtloch im Fries konnte der Organist den Ablauf der Messe verfolgen. Heute geschieht dies über eine Kamera.

Das sich der Kapelle anschließende Kapuzinerkloster war für bis zu zwölf Kapuziner ausgerichtet und hatte die Aufgabe einer Missionsstation. Sie sollte den christlichen Glauben im damaligen Niederstift Münster, am Rande des Machtbereiches von Clemens August und des römisch-katholischen Einflusses, festigen und als Bollwerk gegen den nahen Protestantismus dienen. Die Kapuziner sind im 16. Jahrhundert als Bettelorden aus dem Orden des hl. Franziskus entstanden. Zu ihren Aufgaben gehören die Seelsorge, die Bildung und die Unterstützung von Menschen in Not.

Im Klostergarten wurden einst Gemüse und Kräuter für die Eigenversorgung angebaut. Ein Obstbaumgarten ist heute nach alten Plänen im Rahmen der gartendenkmalpflegerischen Arbeit nachgepflanzt worden.

Text: Oliver Fok

Bilder: ©Emslandmuseum Schloss Clemenswerth

10. Juli 2016

n.T.

St. Vitus Venhaus

n.T.

Nachbericht

Schlichte und schöne Kirche mit einer beachtlichen Außenanlage und einer besonderen Geschichte

„Was für eine schöne und gepflegte Anlage“ war von manch einem der Besucher der Veranstaltung „Kirche des Monats“ in Venhaus zu hören. Etwa 90 Gäste hatten sich auf der Burgparkanlage versammelt und wurden von Johannes Quappen aus dem Projektteam „Kirche des Monats“ begrüßt. Bevor es in einer kleinen Prozession in die St. Vitus-Kirche ging, berichtete Josef Löcken von dem im Jahr 2000 gegründeten Förderverein „Burgpark Venhaus“. Dank seiner Initiative wurde die Anlage um die heutige Kirche, orientiert an der historischen Gestaltung, in mehreren Bauabschnitten wieder hergestellt. Der Park mit den heutigen Gebäuden, Innen- und Außengräften sowie der Zugbrücke gibt so ein Bild der damaligen Befestigungs- und Burganlage und seiner Geschichte wieder. Die erste Kostenschätzung für eine Neugestaltung geschah am Stammtisch. Die tatsächlichen Kosten gingen weit darüber hinaus, wurden aber durch Eigenmittel und verschiedene Förderer getragen. Etwa 130 Vereinsmitglieder sind hier nach wie vor aktiv. Eine ehrenamtlich sehr engagierte „Rentnergruppe“ sorgt wöchentlich für die Pflege der Anlage.

Ab und an werde die Frage gestellt, warum es 5 Brücken über die Gräften gebe. Die letzte Begründung sei, „Viele Brücken führen nach Rom“, so Löcken.

Die auf dem Gelände liegende Kindertagesstätte sei ein schönes Zeichen für das Denken der Venhäuser, machte Löcken deutlich: „Altes erhalten und Neues gestalten und fördern“.

Pastor Daniel Brinker stimmte mit Blick auf die schöne und naturnahe Anlage das Loblied auf Gottes Schöpfung „Laudato si, o mi signore“ an. Wie dieses Lied wurden die weiteren Lieder in der Kirche kräftig mitgesungen.

In die Kirche ging es begleitet durch festliche Orgelmusik. Dort machten Pastor Brinker und Mitglieder des Pfarrgemeinderates deutlich, dass der aus einer Burg hervorgegangene Kirchraum ein gutes Bild für den Glauben sei. „Eine feste Burg ist unser Gott“ wurde zitiert. Dieser an den Psalm 46 angelehnte und von Martin Luther für ein Kirchenlied geschriebene Text, mache deutlich, dass der Glaube auf festem Boden gebaut beständig bleibt. Unsere Kirche will als irdischer Boden fester Boden für jeden sein, war zu hören. Worte aus dem Matthäusevangelium unterstrichen dies.

Josef Löcken stellte noch einmal beeindruckend die wichtigsten Daten und Ereignisse der Burg und die Entstehung der Kirche dar (siehe Vorbericht). Er machte deutlich, dass die Venhäuser insbesondere auch in den Nachkriegsjahren ab 1946 viel geleistet haben, um aus der dunklen Burgkapelle eine stilvolle, zwar schlichte aber schöne Kirche zu gestalten. So wurde das Versprechen des damaligen Pfarrers Kohne wahr, dem „Herrgott eine würdige Wohnstätte und den Venhäusern eine schöne Kirche zu schaffen“.

Pastor Brinker ergänzte, dass die Kirche für viele Hochzeiten angefragt werde. Das wertvollste der Kirche St. Vitus sei die lange und besondere Geschichte der Kirche, die einmal eine Wasserburg war. Holger Berentzen, Referent des Emslanddechanten und Initiator der „Kirche des Monats“ dankte allen Mitwirkenden und lud zur nächsten „Kirche des Monats“ St. Johannes der Täufer in Spahnharrenstätte am 14.08.2016 ein. Gespräche bei Kaffee und Kuchen sowie ein Spaziergang über die Anlage rundeten die Veranstaltung ab.

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Kleine Anekdote erzählt von Pastor Daniel Brinker, der seine Wohnung im Nebengebäude der St. Vitus-Kirche hat.

Mit der Umbenennung des Vorplatzes der Kirche in „Propst-Sandtel-Platz“ im Juni 2015 habe er auch eine neue Adresse bekommen. Auf dem ersten Brief, den er erhalten habe, stand „Prost-Sandtel-Platz“. Das könne, so vermute er, nur damit zusammenhängen, dass es in Venhaus auf dem heimischen Hof von Propst Sandtel eine kleine Schnapsbrennerei gäbe.

August Sandtel wurde 1911 in Venhaus geboren und 1937 zum Priester geweiht. Von 1961 bis 1981 war Sandtel als Propst in Bremen tätig und wurde 1966 erhielt er den Titel Monsignore. Von 1981 bis zu seiner Emeritierung 1989 war er als Domkapitular in Osnabrück tätig.
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10. Juli 2016

n.T.

St. Vitus Venhaus

Vorbericht
Quelle: Rita Brüggemann
Foto: Rita Brüggemann
Eine Kirche, die einmal ein Wasserburg war

Die Kirchengemeinde St. Vitus in Spelle-Venhaus stellt sich am Sonntag, den 10.07.2016, um 15 Uhr im Rahmen der Reihe „Kirche des Monats“ vor.

Die wechselvolle Kirchengeschichte von St. Vitus ist eng verbunden mit den jeweiligen Besitzern der Burg Venhaus. Der Ort Venhaus im südlichen Emsland wird 1177 erstmalig erwähnt. Joan Matthias Recke residierte auf dem Gut Venhaus.

Im 12. Jahrhundert gehörten die Höfe (Güter) im Gebiet Venhaus-Spelle politisch zur Grafschaft Tecklenburg. Kirchlich unterstanden sie dem Bischof von Münster. Im Volksmund hieß es: „An den Galgen nach Münster, auf den Friedhof nach Lünne.“ Damit waren Gerichtsbarkeit und Kirchenzugehörigkeit für die Bevölkerung klar zugeordnet.

Zwischen den Grafen von Tecklenburg und dem Bischof von Münster gab es immer wieder Grenzstreitigkeiten. Davon war auch der Ritter Johann von Langen betroffen. Um 1400 mussten die Tecklenburger Grafen größere Besitzungen an das Bistum Münster abtreten, dazu gehörte auch das Gut Venhaus. Nachkommen der Familie von Langen nutzten die Gelegenheit und errichteten an der Aa in Venhaus eine Wasserburg. Diese Befestigung an der Aa kam dem Bischof von Münster sehr entgegen, denn durch die neue Burganlage auf seinem Hoheitsgebiet war die Grenze zwischen dem Bistum Münster und der Grafschaft Tecklenburg leichter zu überwachen.

Um 1580 gingen das Gut und die Burganlage Venhaus durch Heirat an das Grafengeschlecht von Ripperda über. Nach dem Tod von Baltasar von Ripperda ließ die Witwe Sophie von Ripperda 1619 an die bestehende Wasserburg einen Querflügel als sogenanntes Herrenhaus anbauen. Dieser Neubau diente den Venhäusern später als Kapelle.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Burg 1623 völlig und im Jahre 1647 teilweise zerstört. Nur ein Teil des Herrenhauses, heutige Kirche, blieb einigermaßen erhalten. Der Wiederaufbau der Burg verursachte hohe Schulden für die Burgbesitzer. Diese Verschuldung führte dazu, dass die Burg Venhaus 1668 versteigert wurde. Den Zuschlag erhielt Mathias von der Recke. Die neuen Besitzer stellten den Venhäusern eine umgebaute Scheune für die Gottesdienstnutzung zur Verfügung. Dieser Umbau bot aber nicht allen Kirchenbesuchern Platz. Deshalb gingen viele Venhäuser an Festtagen zum Gottesdienst in das Kloster Bentlage. Dabei mussten sie mit einer Pünte die Ems überqueren. Am Neujahrstag 1688 kam es zu einer Katastrophe. Die völlig überladene Pünte kenterte auf der Hochwasser führenden Ems. In den Fluten ertranken 92 Kirchenbesucher.

Nach dem Unglück wurden auf Veranlassung der Gutsbesitzerfamilie von der Recke im Herrenhaus mehrere Räume umgebaut. So war nun ausreichend Platz für alle Venhäuser Gottesdienstbesucher geschaffen.

1876 wurde das Gut Venhaus nebst Kapelle und Vikarwohnung sowie den vorhandenen Ländereien von der Witwe des verstorbenen Besitzers Franz Engelbert von Landsberg-Velen verkauft. 1882 übernahm die Kapellengemeinde die Kapelle. Auf Anraten des Notars Brawe aus Lingen wurde eine Venhauser Genossenschaft gegründet. Dieser Genossenschaft gehörten alle 29 Haushaltsvorstände mit den dazugehörigen Familienmitgliedern an. Zweck der privaten Genossenschaft war es, die Kapelle mit der Vikarwohnung zu unterhalten und die finanzielle Absicherung des Geistlichen zu übernehmen. Die Venhäuser leisteten viel, um aus der einst dunklen Burgkapelle eine stilvoll schöne Kirche zu gestalten.

Die Genossenschaft bestand bis 1970. Danach wurde sie dem Bistum Osnabrück mit allen Rechten und Pflichten übertragen. Am 01.11.1973 wurde St. Vitus Venhaus Kuratie und damit eine Kirchengemeinde mit eigenem Seelsorgebezirk. St. Vitus ist bis heute eine eigenständige Pfarrgemeinde, die zur Pfarreiengemeinschaft Spelle gehört.

Wer mehr von St. Vitus Venhaus erfahren möchte, ist herzlich am Sonntag, den 10.07.2016, um 15.00 Uhr zur Veranstaltung „Kirche des Monats“ eingeladen. Beginn ist bei gutem Wetter auf dem Burggelände (Propst-Sandtel-Platz 1, 48480 Spelle-Venhaus), ansonsten in der Kirche.

Johannes Quappen

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12. Juni 2016

n.T.

Markuskirche Sögel

n.T.

Vorbericht

Im Emsland gab es bis 1944 genau drei lutherische Gemeinden: Lingen seit 1728, Meppen seit 1842 und Papenburg seit 1859. Und so hatte auch das evangelische Gemeindeleben im Gemeindebezirk Sögel bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges keine große Bedeutung. Die wenigen evangelischen Christen des Seelsorgebereichs aus Sögel, Wahn, Werpeloh, Waldhöfe, Eisten, Hüven, Groß- und Klein Berßen sowie Groß- und Klein Stavern wurden zur Muttergemeinde Papenburg gerechnet, bildeten aber schon damals eine selbstständige Kapellengemeinde mit eigenem Vorstand und eigener Verwaltung.
Quelle: Hirndorf
Als nach dem 2. Weltkrieg durch den Zustrom der Menschen, die vorwiegend aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und dem Warthegau als Flüchtlinge ins Emsland gelangten, die Zahl der Gemeindeglieder erstmals von zuvor ca. 50 sprunghaft auf über 1200 Menschen anstieg, wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche immer dringender. Bis zum Baubeginn behalf sich die Gemeinde mit ihren Gottesdiensten mit verschiedenen Räumlichkeiten, vor allem auch die katholische Pfarrgemeinde stellte damals uneigennützig ihre Kirche für evangelische Gottesdienste zur Verfügung - schon damals wurden die Weichen für das heute zu verzeichnende sehr gute ökumenische Miteinander vor Ort in entscheidender Weise gestellt.
Im Jahr 1950 konnte dann mit dem Kirchbau begonnen werden, so dass die Markuskirche nach beispiellosem freiwilligem Arbeitseinsatz vieler Gemeindeglieder und mit Unterstützung der amerikanischen Sektion des Lutherischen Weltbundes am 14.8.1950 durch den damaligen Landessuperintendenten mit den Worten "Darum behütet aufs Fleißigste eure Seelen, dass ihr den Herrn, euren Gott, lieb habet" (Jos 23,11) geweiht wurde.

Das vom eng mit dem Bauhaus verbundenen Architekten Otto Bartning erarbeitete Gemeindezentrum war als Notkirche mit viel Holzmaterialien geplant und modularer Bauteilweise gebaut worden - theologisch liegt dem zeltförmig gestalteten Zentralbau mit seinen 250 Sitzplätzen das Motiv der im Alten Testament beschriebenen Stiftshütte zu Grunde. Im Alten Testament Mahnung an das wandelnde Gottesvolk auf Erden – in der jungen Flüchtlingsgemeinde Sögel Symbol für den Beistand Gottes in der Fremde.

Dem Grundgedanken des Kirchenbaus fühlt sich die Markusgemeinde bis zum heutigen Tag in ihrer Arbeit verpflichtet, sie bleibt eine Gemeinde, der sich als bleibende Aufgabe die Integration neu in die Region ziehender Menschen stellt: Bereits in den achtziger Jahren begann die Gemeindegliederzahl stetig zu wachsen. Zunächst zogen viele Ruheständler aus dem Bereich NRW in die Region, um auf dem Hümmling sesshaft zu werden. Nach dem Fall der Mauer kamen dann Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, vorwiegend aus Kasachstan und Sibirien dazu, um hier eine neue Heimat zu finden. Und auch in der Gegenwart bleibt diese geistliche wie diakonische Aufgabe der Gemeinde angesichts des neu einsetzenden Zustroms geflüchteter Menschen vor Ort bestehen.

Heute gehören der Markusgemeinde ca. 2400 Gemeindeglieder an, sie ist mit 285 km² Fläche eine der weitläufigsten Gemeinden der Lutherischen Landeskirche und umfasst die Samtgemeinde Sögel (außer Spahnharrenstätte) sowie Neubörger und Börgerwald. Im Jahr 2001 wurde die Markuskirche durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalschutz in den Status eines Baudenkmals erhoben. Am kommenden Sonntag, 12. Juni bietet die Markuskirchengemeinde Sögel, Loruper Weg 4, ab 15 Uhr ein musikalisches Programm. Pastor Matthias Voß wird die architektonische Kirchenführung moderieren, Vertreter der Kirchengemeinde stellen Arbeitsbereiche vor und die Gemeinde lädt zu Kaffee, Kuchen und Getränken ein.

Ulrich Hirndorf

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08. Mai 2016

n.T.

St. Antonius in Dersum

n.T.

Nachbericht

Schöne und helle Kirche mit vielen Sehenswürdigkeiten
Von Holger Berentzen

Schon in seiner Begrüßung danke Pfarrer Johannes Hasselmann den Mitwirkenden der Vorstellung „Kirche des Monats“. Sie hätten intensiv die Veranstaltung vorbereitet. Die Freude, „Kirche des Monats“ im Jubiläumsjahr „150 Jahre Kirche in Dersum“ sein zu können, sei groß.

Das war den Beteiligten auch anzumerken. Sie gestalteten den Gästen aus dem gesamten Emsland eine informative und frohe Stunde.

Die Geschichte der Kirche von den Anfängen bis heute wurde vorgetragen (siehe Vorbericht zur Veranstaltung), von der Einbindung in die Pfarreiengemeinschaft mit St. Vitus Dörpen und St. Petrus in Ketten Heede berichtet, die zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Gotteshauses vorgestellt.

Die alte Kirche mit einem im Herbst 1980 abgeschlossenen Anbau passen sich harmonisch an. Diakon Klasen konnte vom Ambo aus auf gestalterische Elemente und Symbole im ganzen Kirchenraum hinweisen, etwa auf die bunten Kirchenfenster unter anderem mit Ereignissen aus dem Leben Jesu oder aus dem Leben der Gottesmutter Maria, auf eine Kreuzigungsgruppe, auf Heiligenfiguren, auf das Taufbecken oder auf eine Pieta. Einige Arbeiten stammen von dem aus Lathen stammenden Tischler, Bildhauer und Dichter Bernhard Heller, genannt Hellerbernd.

Zwei Kinder stellten gut vorbereitet das Leben des Hl. Antonius dar. Vertreter der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) machten anschaulich, dass St. Antonius auch heute noch eine lebendige Gemeinde ist. Dazu stellten sie ausgehend vom Eckstein „Jesus“ symbolische Steine beschriftet mit den vielen engagierten Gruppen und Verbänden auf. Und sie schauten voraus, dass St. Antonius auch in 50 Jahren noch viele lebendige Steine haben werde. Die erst im Jahr 2002 von Orgelbauer Cladders aus Badbergen neu gebaute Orgel weist in diese Richtung.

Ansprechend musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Organistin und Chorleiterin Frau Blömer.

Der Referent des Emslanddechanten Holger Berentzen dankte allen Beteiligten seinerseits, insbesondere den vier engagierten Frauen des Pfarrgemeinderates und den Kindern. „Sie haben eine wirklich schöne und freundlich wirkende Kirche“, war sein Fazit.

Bei dem anschließenden Kaffeetrinken und einem großen Kuchenbuffet kamen viele Gäste mit den Dersumern ins Gespräch.

Holger Berentzen

Fotos: Karin Kossen

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n.T.

08. Mai 2016

n.T.

Kirchengemeinde schaut auf 150 jährige Geschichte zurück


Vorbericht

Von Johannes Quappen

Der Ort Dersum wird schon um 854 im Einnahme- und Ausgabeverzeichnis des Klosters Corvey als Dersinun erwähnt – unter anderem mit den rechtsemsischen Orten Aschendorf, Dörpen, Steinbild und Lathen. Linksemsisch verläuft ein alter Handelsweg: Die Friesische Straße. Durch diesen Handelsweg war Dersum von allen Ortschaften, die an diesem Weg lagen, auf dem Landweg zu erreichen, ohne die Ems überqueren zu müssen.

Kirchlich gehörte die Bauernschaft Dersum etwa seit 1304 zur Urpfarrei St. Georg Steinbild. Der Chronist Johannes Schwarte – Pastor in Dersum von 1936 bis 1954 – berichtet: Der weite Kirchweg und das jährliche winterliche Hochwasser gestattete den Dorfbewohnern keinen regelmäßigen sonntäglichen Kirchenbesuch. Insofern ist es verständlich, dass der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus sehr ausgeprägt war.

Alle Argumente, die Obrigkeit von der Notwendigkeit einer Kirche in der Ortschaft Dersum zu überzeugen, wurden verworfen. Dann kenterte bei der Emsquerung eine Pünte, die Gottesdienstbesucher nach Steinbild übersetzen sollte. Es gab viele Tote und Verletzte. Durch dieses Ereignis gab die Obrigkeit ihre ablehnende Haltung auf. Es wurde endlich eine Genehmigung erteilt, die den Dersumern erlaubte, eine eigene Kirche bauen zu dürfen.

Jetzt ging alles sehr schnell. Nach den Plänen des Dombaumeisters Johann Bernhard Hensen wurde 1864 mit dem Bau des Gotteshauses begonnen. Zwei Jahre später wurde die im Neugotischen Stil errichtete Kirche vollendet und am Festtag des Hl. Antonius des Einsiedlers – am 17. Januar 1866 – ihrer Bestimmung übergeben und dem Tagesheiligen geweiht.

Der Kirchbau kostete ca. 30.000 Mark. Der Hofbesitzer Hackmann-Hoakmes stiftete das Kirchengrundstück.

Im Jahre 1788 entstanden westlich von Dersum 43 neue Siedlerstellen. Die Siedlung bekam den Namen Neudersum und gehörte kirchlich seitdem auch zu St. Georg Steinbild.

Zum 1. Mai 1909 wurde die Kapellengemeinde St. Antonius zur Kuratiegemeinde erhoben. St. Antonius wurde aus dem Pfarrbezirk entlassen. Damit war die Loslösung von Steinbild vollzogen und St. Antonius danach eine selbstständige Kirchengemeinde. Die damals übliche Ablösesumme betrug 9.000 Mark.

Versuche der Neudersumer, sich mit den Dersumern über den Anschluss an die Kirchengemeinde zu einigen, sind lange ohne Erfolg geblieben. Erst im Februar 1922 kam eine Einigung zustande und ab dann waren sie gleichberechtigte Gemeindemitglieder von St. Antonius Dersum.

Seit Beginn des Jahres 1966 ist die Bankmiete, die seit dem Bau der Kirche erhoben wurde, und alle damit verbundenen Rechte aufgehoben. Gleichzeitig wurde auch der endgültige Bruch mit einer Tradition vollzogen, die die Sitzordnung seit dem Bestehen in der Dersumer Kirche geprägt hatte. Heute sind alle Kirchenbesucher froh, dass es diese Regelung nicht mehr gibt. Die so genannte „Bankmiete“ hat es früher in fast allen Kirchen gegeben.

In Neudersum wurde 1949 ein Kirchenbauverein gegründet, der sich vorrangig darum kümmern sollte, dass auch die Neudersumer eine eigene Kirche erhalten.

Trotz der 1949 in Neudersum gebauten Kirche war die Raumnot in der St.-Antonius-Kirche nur zum Teil behoben. So stand schon in den Jahren 1961/62 die Frage an, ob ein Anbau an die bestehende Kirche reicht oder eine ganz neue Kirche gebaut werden soll. Das wurde dann in der „Neujahrssitzung“ am 2. Januar 1978 entschieden. Fast einstimmig votierten Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat für eine Erweiterung zur Nordseite. Nur diese Lösung war möglich, weil die Pfarrkirche mittlerweile unter Denkmalschutz gestellt worden war. Es wurden verschiedene Erweiterungsmöglichkeiten vorgestellt. Zur Ausführung kam der Plan des Architekturbüros Botterschulte aus Lingen.

Zu Jahresbeginn 1979 wurde mit den Arbeiten begonnen. Es standen zunächst Abbrucharbeiten an. Danach mussten die Wände für den neuen Anbau erstellt werden, bevor mit den Innenarbeiten in der Kirche und im neuen Anbau begonnen werden konnte. Es waren viele aufwändige Restaurierungsarbeiten erforderlich. Doch schon im Herbst 1980 konnten die Arbeiten an der Kirche abgeschlossen werden.

Als dann am Freitag, 19. September 1980, die Konsekration (Weihe) der Kirche erfolgte, war das ein großer Festtag für die ganze Gemeinde. Fast alle staunten über die „Neue Dersumer St. Antonius Kirche“, bei der sich Altbau und Anbau harmonisch ergänzen.

Wer mehr über die St.-Antonius-Kirche und das Gemeindeleben früher und heute erfahren möchte, ist herzlich eingeladen am Sonntag, 8. Mai 2016 nach Dersum zu kommen. Um 15 Uhr wird die Kirche in der Reihe „Kirche des Monats“ vorgestellt. Anschließend gibt es Gesprächs- und Begegnungsmöglichkeit bei Kaffee und Kuchen.

Foto: Henning Twickler

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10. April 2016

n.T.

Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen-Holthausen

n.T.

Nachbericht

Der Aufbruchgeist des Zweiten Vatikanischen Konzils wird lebendig gehalten
Von Holger Berentzen

Lingen. Wie ein roter Faden zieht sich der Aufbruchgeist des Zweiten Vatikanischen Konzils durch die gut eineinhalbstündige Vorstellung der Kapelle des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH).

Im Rahmen der Projektreihe „Kirche des Monats“ informieren Hausleiter Dr. Michael Reitemeyer und sein Stellvertreter René Kollai die vielen Besucher aus dem gesamten Emsland. Unterstützt werden sie von Frau Martha Ortmann, Referentin im LWH von 1972 bis 1980, und Frau Ingeborg Klöppel. Ihr Mann, Dr. Walter Klöppel, war als stellvertretender Leiter und später als Leiter des Hauses an der Planung und Umsetzung des Kapellenneubaus maßgeblich beteiligt. Walter Klöppel verstarb am 06. Januar 2013. Das Projekt „Kirche des Monats“ wurde von ihm konzipiert und in den Jahren 2003 bis 2009 durchgeführt.

Die Vorstellung der Kapelle erfolgt in drei Sequenzen. Jede Sequenz wird musikalisch durch Kirchenmusikdirektor Joachim Diedrichs und mit auf eine Leinwand projizierten Bildern visuell eingestimmt. Es folgen jeweils bauliche Erläuterungen und theologische Deutungen. Ein biblischer Impuls und ein Chorlied der Gruppe „Cantamus“ aus der Lingener Kirchengemeinde Maria Königin schließen jede Sequenz stimmig ab. Viel Symbolik ist in der Kapelle zu entdecken und wird den Besuchern erschlossen. Dazu gehören die sechseckige Raumstruktur der Kapelle sowie das markante, den Kapellenraum umschließende Betonrelief als vom Kreuz ausgehender Lebensbaum. Dazu gehören die Vertiefung in dem einem Kreis angenäherten Raum mit dem Altar in der Mitte und die Sakraments-Kapelle. Gedeutet werden Skulpturen, die Fenster, die Eingangstüren und auch die Farbgebung.

Die sechseckige Raumstruktur und die Vertiefung finden sich in der Aula wieder.

Dialog mit der Welt

Martha Ortmann weiß zu berichten, dass die Kapelle zunächst in eine ruhige Ecke des Hauses gelegt werden sollte. Doch das Konzil habe zum Dialog mit der Welt, zur Offenheit für alle Menschen mit ihren Fragen und Interessen aufgerufen. Ortmann spricht von der Öffnung zur Welt, von frischem Wind und von der Christenpflicht, sich um die Welt zu kümmern. Der Kapellenraum biete Möglichkeiten für verschiedene liturgische Formen und mache deutlich, dass alle zur Gemeinschaft hinzu gehören. Und so ist die Kapelle nicht in einer ruhigen Ecke, sondern zentral gegenüber der Aula zu finden.

Die Aula sei der Raum der Aktion, des mündigen Bürgers, die Kapelle der Raum der Kontemplation, des mündigen Christen ergänzt Michael Reitemeyer. „Beides sind Brennpunkte unseres Handelns, das eine kann ohne das andere nicht auskommen“, betont er. Ortmann und Reitemeyer werfen einen Blick auf den Architekten Walter Josef Maria Bunsmann. Er sei ein dynamischer, diskussionsfreudiger Mensch gewesen, der immer wieder das Gespräch mit dem LWH-Team gesucht habe. Er stehe für eine demokratische Bauweise und schuf als Architekt Räume zum Beten und zum Mündigsein. Er habe erkannt, dass Räume etwas mit Menschen machen, und er habe sich darauf eingelassen, dass Kunst und Bau zusammenhängen. Mit dem Papenburger Künstler Ferdinand Hees sei damals ein vielseitiger Künstler gefunden worden, der sich im Besonderen für die gestalterische Aufgabe „Kunst am Bau“ interessiert und diese farbgewaltig umgesetzt habe.

Gottes Nähe erahnend, unsere Welt gestalten

Ingeborg Klöppel erzählt von den ersten Reaktionen damals im Dorf, die zwischen Freude und Skepsis lagen. Das LWH wurde als „Haus für die Gebildeten“ bezeichnet.

Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Architekten und dem Künstler und die Beteiligung des LWH-Teams lobt sie. Die damals schon auf Zukunft hin bedachte Umsetzung in vielen Symbolen und Bildern drücke mehr als tausend Worte aus.

René Kollai überrascht viele der Besucher, als er das Motiv und Thema der Glasfenster oberhalb des Betonreliefs erklärt. Der Kölner Glaskünstler Bodo Schramm hat hier die „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach dargestellt. Es sei eine ganz bewusste Entscheidung gewesen, die protestantische Lichtgestalt der Kirchenmusik in die Kapelle der katholischen Akademie zu holen. „Nehmen sie dies als ein ökumenisches Bekenntnis zur Kirchenmusik der Vergangenheit sowie der Gegenwart“, so Kollai.

Er schließt die dritte Sequenz mit der Hoffnung, dass auch künftig Menschen die Kapelle aufsuchen, um nach sich selbst Ausschau zu halten, um dadurch neu Orientierung für ihr Leben zu gewinnen. „Dies ist eines der Ideale, die wir als katholische Akademie verfolgen: In den Herausforderungen der Gegenwart, die Nähe Gottes zu erahnen, um aus dieser Sicherheit heraus unsere Gesellschaft, unsere Kirche und letztlich unsere Welt zu gestalten“.

Die Vorstellung der LWH-Kapelle schließt mit dem Vorlesen von Fürbitten, die Seminarteilnehmer und Hausgäste in das in der Kapelle ausliegende Fürbittbuch eingetragen haben und dem Segen.

Holger Berentzen, Referent des Emslanddechanten, dankt allen Mitgestaltern der Veranstaltung und lädt zur nächsten „Kirche des Monats“ am 08. Mai 2016 in St. Antonius in Dersum ein. Viele Besucher bleiben noch zu Begegnung und Gespräch bei Kaffee und Tee. Die anschließend angebotenen Führungen durch das LWH finden reges Interesse.

Fotos: Michael Brendel, LWH



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Vorbericht

n.T.

LWH-Kapelle ist Kirche des Monats

Die 1972 gebaute Kapelle vermittelt in Reinkultur den Aufbruch durch die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils
Von Michael Brendel

Das Team des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) in Lingen-Holthausen lädt am Sonntag, 10. April, um 15 Uhr im Rahmen der Reihe „Kirche des Monats“ in seine Kapelle ein.

Nicht die erste LWH-Kapelle

Die Kapelle ist Teil des Erweiterungsbaus aus dem Jahre 1972, zu dem auch die markante Aula und der Eingangsbereich des LWH gehören. Neun Jahre nach Gründung des Ludwig-Windthorst-Hauses im Jahre 1963 platzte die Katholische Akademie aus allen Nähten. Eine Erweiterung wurde notwendig. Dabei wurde die erste Kapelle als Teil des so genannten „Verwaltungsbau“ abgerissen. Im neuen Erweiterungsbau wurden Eingangsbereich, Aula und Kapelle als sich ergänzende, aber dennoch räumlich abgegrenzte zentrale Orte des Hauses geplant. Bis heute entspricht diese Anordnung dem Selbstverständnis des LWH, in dem sich Kirche den gesellschaftlichen Fragen öffnet.

Kreis als Symbol der Vollkommenheit

Wie die Aula ist die Kapelle des LWH sechseckig gestaltet. Diese Bauweise kommt, so die Pläne des Architekten Walter Bunsmann, dem Kreis als Symbol des Vollkommenen am nächsten. Das neue Selbstverständnis der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) spiegelt sich auch in der Innenausstattung des Raumes wieder. Die Gottesdienstteilnehmer sitzen bzw. stehen auf zwei Ebenen um den Altar herum, der Zelebrant ist inmitten der Gemeinde und hat keine optisch herausgehobene Position.

Der abgesenkte Innenbereich stellt möglicherweise eine Anspielung an ein Taufbecken dar, wie man sie aus den mittelalterlichen Baptisterien kennt. Wir versammeln uns als Getaufte zum Gottesdienst: Durch die Taufe sind wir zu neuen Menschen geworden. Dieser „tiefer gelegte“ Innenbereich mag ebenso an ein bergendes Nest erinnern.

Als markantestes Merkmal der Kapelle gilt sicherlich das Betonrelief an den Wänden. Es symbolisiert einen Lebensbaum, der seinen Ausgangspunkt beim Kreuz nimmt; die gesamte Kapelle wurde – wie auch Aula und Foyer - von dem Papenburger Künstler Ferdinand Hees künstlerisch gestaltet.

Als Antwort auf die Neuerungen des Konzils wurde der Tabernakel in einer eigenen Seitenkapelle untergebracht, die durch die Farbwahl und die bunten Glasfenster in besonderer Weise zum Verweilen und zum persönlichen Gebet einlädt. Ein „Anders-Ort“ im Bildungshaus.

Vielfältige Nutzung

Die LWH-Kapelle wird vielfältig genutzt. In der Woche wird den Gästen ein Morgenlob angeboten, freitags können Mitarbeitende und Gäste an einem Mittagsgebet teilnehmen. Am letzten Donnerstag im Monat wird eine Eucharistiefeier für Gäste und Mitarbeitende des Hauses gefeiert. Dazu kommt samstags um 19.15 Uhr die Vorabendmesse der Pfarreiengemeinschaft Maria Königin, Lingen und St. Marien, Biene. Auch Seminargruppen nutzen den Raum individuell für Andachten, Gottesdienste oder als Gesprächsraum.

Insgesamt ist die Kapelle ein Rückzugsort für Gäste im Haus. Sie lädt Gäste und auch Passanten zu einer „Zeit der Stille“ ein und bietet Gelegenheit zum persönlichen Gebet und zum Atemholen.

Während der Veranstaltung werden architektonische Besonderheiten und die religiöse Symbolik der Kapelle erklärt. Biblische und musikalische Impulse ergänzen die Erläuterungen. Im Anschluss können sich die Besucher bei Kaffee und Tee über die Aktivitäten des Ludwig-Windthorst-Hauses informieren und an einer Führung durch das Bildungshaus teilnehmen.

Bericht: Michael Brendel, LWH

Fotos: LWH



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Kirche des Monats März

15.3.2016 Die Ev.-luth. Bethlehemkirche Meppen

Die Bethlehemkirche Meppen ist eine junge Kirche mit trotzdem wechselvoller Geschichte. Im Emsland gab es bis 1944 genau drei lutherische Gemeinden: Lingen seit 1728, Meppen seit 1842 und Papenburg seit 1859. Lebten 1944 noch in Stadt und Landkreis Meppen 1100 Lutheraner, so vervielfachte sich durch Flucht und Vertreibung deren Zahl bis 1949 auf 11.000(!). Die soziale Not dieser Menschen war groß. In Meppen nahm sich die Gustav-Adolf-Kirche der christlichen Not an. Es entstand der Pfarrbezirk II mit Errichtung einer Pfarrstelle am 1 Juli 1952. Sie erfasste die Evangelischen in der Stadt westlich der Ems und in den Orten Varloh, Schwefingen, Osterbrock, Rühle-Ort, Klein und Groß Fullen, Versen mit Neu Versen, Hüntel, Holthausen, Borken und Hemsen

Die erste Kirche der Gemeinde
Quelle: Bethlehemgemeinde
Das Kirchengrundstück im Areal zwischen dem Schullendamm und dem Rühler Sommerweg gegenüber der Gastwirtschaft Kamp lag damals zumeist brach. Ursprünglich hatten dort bis 1933 eine Ziegelei und eine Mühle mit Sägewerk gestanden. Bis 1945 dann ein Reichsarbeitsdienstlager. Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostprovinzen Schlesien, Ost- und Westpreußen oder Pommern verband nicht nur auf schicksalshafte Weise eine gemeinsame Geschichte, sondern auch die evangelische Konfession lutherischer Prägung. Über 75% der Neumeppener waren Lutheraner. Fern der Heimat, die Männer zum Teil in Gefangenschaft, mußten Ehefrauen, Witwen, halbe Familien, Kinder, Jugendliche zunächst untergebracht werden. Mit Arbeit und Essen versorgt werden. AQber auch der Glaube, der vielen damals zur Stütze und Hilfe wur